Die Erlebniswelt Neandertal als Identifikationsfaktor für das neanderland

23. Januar 2025: Von Dr. Bärbel Auffermann, Direktorin des Neanderthal Museums und Dr. Barbara Bußkamp, Leiterin des Amtes für Kultur und Tourismus, Kreis Mettmann

Die Erlebniswelt Neandertal bietet mit dem Erlebnisturm Höhlenblick im neanderland eine spannende neue Attraktion, die an der historischen Fundstelle der Neanderthaler-Höhle erbaut wurde. Der 22 Meter hohe Turm ermöglicht einen barrierefreien Aufstieg und beeindruckende Ausblicke auf das Tal, das einst die Heimat der Neanderthaler war. Interaktive Elemente wie ein 360-Grad-Video und Augmented Reality bieten einen Einblick in das Leben der Frühmenschen. Weitere Highlights der Erlebniswelt sind Europas größter Steinzeitspielplatz, ein Wildgehege mit eiszeitlichen Tieren und die Steinzeitwerkstatt, in der Besucher alte Techniken ausprobieren können. Zudem führt der Kunstweg „MenschenSpuren“ entlang der Düssel, der zur Reflexion über die Natur des Menschen anregt.

Der spektakuläre Bau des 1996 eröffneten Neanderthal Museums und vor allem eine fesselnde Ausstellungsinszenierung bescheren dem mittlerweile vielfach ausgezeichnetem Museum internationale Anerkennung nicht nur in der Fachwelt, sondern vor allem durch großen Publikumszuspruch. Es zeigte sich aber, dass Menschen, die auch neugierig auf die eigentliche Fundstelle waren, enttäuscht zurückkehrten; die Höhle war durch den Kalkabbau verschwunden, und die während der Regionale EUROGA 2002+ umgesetzte künstlerische Inszenierung empfanden viele als zu abstrakt, um die Fundsituation sinnlich erfahrbar zu machen. Es entstand die Idee, nicht nur das Höhlenerlebnis zu inszenieren, sondern auch die Umgebung rund um Museum, Fundstelle und Wildgehege als „Erlebniswelt“ in Wert zu setzen, ohne die Belange des Naturschutzes außer Acht zu lassen.  

Neue Attraktion im Neandertal
Der neue Erlebnisturm Höhlenblick begeistert seit seiner Eröffnung im Dezember 2022 die Gäste des Neanderthal Museums.

Erlebnisturm Höhlenblick an der Fundhöhle.
Quelle: Kreis Mettmann

Der Turm ist ein offener Stahlbau an der Stelle der Neanderthaler-Fundhöhle Feldhofer Grotte, die im 19. Jahrhundert durch Kalkabbau vollständig zerstört wurde. Der 22 Meter hohe Turm ist wechselweise durch innere und äußere Rampen über 360 Meter barrierefrei zu begehen. Fast mühelos gelingt der Aufstieg, begleitet von kurzen Audiostories von Zeitzeugen der Talgeschichte an den Wendepunkten der Rampen.
Wahrzeichen des Turms ist die als Schädelkalotte gestaltete Kuppel über der oberen Plattform. Der übergroß gestaltete Schädel des Neanderthalers ist etwa neun Meter lang und wiegt stolze sechs Tonnen.

Der Turm Höhlenblick ergänzt den Ausflug ins Neandertal um ein spannendes Erlebnis. Endlich können Besucherinnen und Besucher die verlorene Schlucht erklimmen und dort oben stehen, wo einst die Höhle des Neanderthalers war. Man blickt von hier wie einst der Neanderthaler aus der verlorenen Fundhöhle Feldhofer Grotte auf die gegenüberliegende Talseite. Unter der obersten Plattform klettern Schwindelfreie durch einen Netztunnel und können nachempfinden, wie tief die frühere Neandertal-Schlucht war.
Zentral auf der obersten Plattform sind die 16 Knochen des Neanderthalers als taktiles Exponat inszeniert. Ein QR-Code löst an dieser Stelle ein 360-Grad-Video der Fundhöhle Feldhofer Grotte aus. Zu sehen ist die Begräbnisszene, die Niederlegung des berühmten Neanderthalers in der Höhle.

Fernrohre ermöglichen eine Reality-Erlebnisreise.
Quelle: Kreis Mettmann

"Fernrohre" am Rand der oberen Plattform ermöglichen eine großartige Augmented-Reality-Erlebnisreise, die zurückführt in die Zeit der Neanderthaler. Die Besucherinnen und Besucher blicken in die tiefe eiszeitliche Schlucht und beobachten Neanderthaler bei der Wisentjagd, sehen ihr Alltagsleben am Lagerplatz vor der Neanderhöhle, erspähen Mammutherden in der Ferne und sind Zeugen, wenn der gewaltige Höhlenlöwe zum Sprung ansetzt, um einen Riesenhirsch zu reißen.

Diese sinnliche Inszenierung vermittelt:

  • Ich stand oben, wo die Höhle des Neanderthalers war!
  • Das Neandertal war früher eine tiefe Schlucht! 
  • In der Höhle haben die Neanderthaler ihre Toten bestattet!

Auch der Weg vom Museum zur Fundstelle wurde abwechslungsreich gestaltet. Lebensgroße Silhouetten von Zeugen der Talgeschichte, wie zum Beispiel ein Steinbrucharbeiter oder der Maler Johann Wilhelm Schirmer, werden an kinetischen Hörstationen zum Sprechen gebracht.

Ermöglicht wurde das Projekt durch die Heimatförderung NRW, die Stiftung Habris und den Kreis Mettmann. Die Fundstelle des Neanderthalers erhält die Aufwertung und Aufmerksamkeit, die ihr gebührt.

Erlebniswelt Neandertal
Das Turm-Highlight komplettiert die Erlebniswelt Neandertal, eine touristische Top-Destination zwischen Ruhrgebiet und Rheinland.

Der Steinzeitspielplatz bietet eine spannende Abenteuerlandschaft.
Quelle: Kreis Mettmann

Im wunderschönen Naturschutzgebiet Neandertal wird Steinzeit erlebbar. Direkt gegenüber dem Museum befindet sich Europas größter Steinzeitspielplatz. Auf über 2250 Quadratmetern erstreckt sich eine spannende Abenteuerlandschaft mit vielen Möglichkeiten zum Klettern und Toben. Besondere Highlights sind der über neun Meter hohe Kletterturm mit Tunnelrutsche und die Treibholzlandschaft. Ein Besuch des Spielplatzes lässt sich hervorragend mit einem Picknick im Grünen kombinieren.
Das Eiszeitliche Wildgehege ist nicht nur für die jüngsten Gäste des Museums einen wunderschönen Spaziergang wert. In großen Freigehegen lassen sich Wildpferde, Wisente und Auerochsen beobachten, die zur Jagdbeute der Neanderthaler zählten und im Neandertal artgerecht gehalten werden.

 
Im Gebäude des ehemaligen Neanderthal Museums befindet sich heute die Steinzeitwerkstatt. Hier können Besucherinnen und Besucher steinzeitliche Techniken ausprobieren, mit selbstgebauten prähistorischen Jagdwaffen ihr Geschick testen und das Feuermachen erlernen. Der außerschulische Lernort bietet mit seinen Workshops eine willkommene Abwechslung für Schulklassen und andere Gruppen.

 
Der Kunstweg „MenschenSpuren“ führt auf einem romantischen Rundweg knapp 200 Meter die Düssel entlang. Die unterschiedlichen Kunstwerke fordern auf zur Selbstreflexion über die Natur des Menschen und sollen so zu einer neuen Betrachtungsweise der Natur leiten. Den Geschichten der zehn international renommierten Künstlerinnen und Künstlern kann an Audiostationen entlang des Kunstweges gelauscht werden.

Das Neandertal als Namensgeber für die Destination „neanderland“


Der neanderland STEIG führt durch die vielfältige Landschaft des Kreises Mettmann.
Quelle: Dominik Ketz - Kreis Mettmann

 Der Erfolg des Neanderthal Museums führte nach und nach zu steigenden touristischen Nachfragen bei der Kreisverwaltung Mettmann und schließlich zur Erkenntnis, sich touristisch professionell aufstellen zu müssen. Was lag angesichts des Aushängeschilds „Neandertal“ näher, den Kreis Mettmann als „neanderland“ zu vermarkten? Die geschützte Marke wurde 2013 aus der Taufe gehoben und hat nicht nur den Kurzzeittourismus und die Naherholung in der Region angekurbelt, sondern auch eine stärkere Identifikation der Bewohnerinnen und Bewohner mit ihrer Heimatregion, dem neanderland, geschaffen. Der neanderland STEIG, ein 240 Kilometer langer Wanderweg durch die vielfältige Landschaft des Kreises Mettmann, zieht Tagestouristen und sogar Übernachtungsgäste an und bietet auch den Bewohnerinnen und Bewohnern beliebte Ausflugs- und Erholungsmöglichkeiten. Die neanderland STEIG-App gibt Orientierung beim Wandern und weist auf Sehenswürdigkeiten und Einkehrmöglichkeiten hin. Die neanderland-Homepage bietet umfassende Informationen über unterschiedliche Erlebnisangebote.

Auch seine überörtlichen Kulturangebote vermarktet der Kreis Mettmann mittlerweile unter der Marke neanderland: Das Theaterfestival „neanderland BIENNALE“, die „neanderland MUSEUMSNACHT“, die offenen Ateliers „neanderland TATORTE“ und die jurierte Ausstellung „neanderland ART“. Unter der Kulturmarke neanderland nimmt der Kreis Mettmann das vorhandene kulturelle Angebot in den kreisangehörigen Städten mit und wirkt damit auch den Diskussionen um die umlagefinanzierten „freiwilligen“ Leistungen ein Stück weit entgegen.


Dr. Bärbel Auffermann
Quelle: Kreis Mettmann