Landkreistag
Nordrhein-Westfalen

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Internet-Breitbandausbau – NRW-Kreise warnen: Rückschlag für den ländlichen Raum droht

10.12.2015
Im Hinblick auf die heutige Verhandlung der Bundesnetzagentur in Bonn zur sog. Vectoring-Technologie warnt der Landkreistag Nordrhein-Westfalen vor einem weiteren Rückschlag für die Breitbandversorgung des kreisangehörigen, ländlichen Raums. Nach Einschätzung des Verbandes würde die beabsichtigte Entscheidung der Bundesnetzagentur der Deutschen Telekom im Nahbereich um die knapp 8.000 Hauptverteiler in Deutschland ein De-Facto-Monopol für die Vectoring-Technologie einräumen. Ein solches Monopol würde die flächendeckende Versorgung mit schnellem Breitbandinternet gerade im ländlichen Raum deutlich erschweren.

„Es darf nicht sein, dass der kreisangehörige Raum in Nordrhein-Westfalen in kurzer Zeit ein zweites Mal bei den Chancen für den Ausbau des schnellen Internets benachteiligt wird: Zunächst bei den für NRW problematischen Rahmenbedingungen des Förderprogramms des Bundes für den schnellen Breitbandausbau und jetzt bei der anstehenden Entscheidung der Bundesnetzagentur zugunsten der Deutschen Telekom“, unterstrich Dr. Martin Klein, Hauptgeschäftsführer des Landkreistages Nordrhein-Westfalen, heute in Düsseldorf.

So bevorzuge das vor kurzem durch Bundesminister Dobrindt vorgestellte Bundesförderprogramm für den Ausbau des schnellen Internets Ausbaugebiete mit geringer Einwohnerdichte. Dies ergebe enorme Nachteile für das relativ dicht besiedelte Nordrhein-Westfalen im bundesweiten Vergleich etwa gegenüber Bayern oder den ostdeutschen Bundesländern. Hinzu komme nunmehr die von der Bundesnetzagentur angekündigte Entscheidung zugunsten eines De-Facto-Monopols für die Vectoring-Technologie.

„Soweit Vectoring für den Nahbereich überhaupt zugelassen werden soll, muss zumindest gewährleistet sein, dass allen potentiellen Netzbetreibern der gleiche Zugang eröffnet wird. Stattdessen sollen ein Monopol geschaffen und vorhandene Marktstrukturen zementiert werden“, kritisierte Martin Klein.

Zugleich erhielte die Deutsche Telekom mit der angekündigten Entscheidung der Bundesnetzagentur die Möglichkeit zu einem „Rosinenpicken“, weil sie bei geringen Investitionskosten Zugriff auf eine hohe Zahl an potentiellen Kunden hätte, andererseits aber der ländliche Raum in wirtschaftlich und nicht-wirtschaftlich auszubauende Regionen aufgeteilt würde. Vielen Ausbauprojekten, die auf den zukunftsweisenden Glasfaserausbau und einen Rentabilitätsverbund zwischen dünn besiedelten und etwas dichter besiedelten und damit eigenwirtschaftlich zu versorgenden Gebiete setzen, würde damit die wirtschaftliche Basis entzogen. Ein für die weitere Entwicklung des Landes entscheidender, flächendeckender Glasfaserausbau zu wirtschaftlich tragfähigen Bedingungen werde dadurch vor allem im kreisangehörigen Raum deutlich erschwert.

„Eine Entscheidung zugunsten der Vectoring-Technologie, die der Deutschen Tele-kom das Recht zubilligt, den Nahbereich um die knapp 8.000 Hauptverteiler in Deutschland exklusiv zu nutzen, wäre ein Rückschlag für die flächendeckende Erschließung Nordrhein-Westfalens mit einer zukunftsweisenden Breitbandanbindung“, betonte Klein.

Zum Hintergrund:
Vectoring ist eine Telekommunikationstechnik, die unerwünschte Übertragungen von elektrischen Signalen zwischen benachbarten Teilnehmeranschlussleitungen verringern soll.
Beim Vectoring werden die gegenseitigen Störungen benachbarter Übertragungsleitungen (in einem Kabelbündel) durch sog. Kanalkoordinierungen (Kompensationen) reduziert. Dazu ist es technisch notwendig, dass ein Betreiber die komplette Kontrolle über alle Einzelleitungen in einem Hauptkabelstrang hat. Dadurch kann die Übertragungsrate, insbesondere in unabgeschirmten Kabelbündeln üblicher Telefonnetze, gesteigert werden.
Vectoring ist grundsätzlich nur im Nahbereich (etwa 1.000 Meter) um sog. Haupt-verteiler im Telekommunikationsnetz möglich. Hauptverteiler stehen im Zentrum eines Anschlussbereiches (ASB) eines Ortsnetzes. In Deutschland gibt es rund 8000 Hauptverteiler. Bei längeren Abständen zu Hauptverteilern, also vor allem im ländlichen Raum, bringt Vectoring keine Vorteile mehr.
Zudem steigt das übertragene Datenvolumen seit Jahren ständig an, neue Anwendungen benötigen schnellere Zugänge für Betriebe und Haushalte. Langfristig dürfte somit – auch in verdichteten Nahbereichen um die Hauptverteiler – nach Ansicht der meisten Experten auf diesem Feld nichts an Glasfaserhausanschlüssen vorbeiführen, die nahezu unbegrenzte Datenmengen fast verlustfrei transportieren können.

(Für die Hintergrunddefinition verwendete Quellen: de.wikipedia.org; www.netzpolitik.org; www.itwissen.info)